Sonntag, 21. Juni 2015

Jungs und Männer Verbot!!! Danke

Neulich, eines Samstag Abends, entdeckte ich folgendes Schild an der Tür gegenüber meines Bürozimmers. „Jungs und Männer Verbot!!! Danke..“ stand darauf. Angefertigt von zwei neunjährigen Mädchen. Vor der Türe standen zur gleichen Zeit ein erwachsener Mann und zwei Jungen. Etwas irritiert sahen sie aus beim Betrachten des Schildes. Aus dem Zimmer riefen währenddessen die zwei Mädchen, dass es eine Scheide bräuchte, um eintreten zu können. Damit wäre das dann wohl auch geklärt gewesen, wie das Schild im Einzelnen zu interpretieren sei….



Pünktlich dazu las ich vor Kurzem einen wirklich gut auf den Punkt gebrachten Text von Margarete Stokowski zu den Problemlagen heutiger Feminist*innen: Hier, bitte, meine Problemliste (taz, 18.6.2015)

Noch während ich überlegte, ob ich nun a) ins Zimmer treten oder b) zuerst ein Foto mit meinem feschen Smartphone machen sollte, blickte ich gleichzeitig in die Gesichter der beiden Jungen und sah großes Unverständnis. Auch noch später, beim Abendbrot, gab dieses Schild einem der Jungen große Rätsel auf. Er konnte nicht verstehen, wieso sein Penis dazu führte, dass er vom Spiel der anderen Kinder ausgeschlossen wurde. Ungerecht, nannte er das, und unfair. Nun war ich natürlich gefragt - als Mutter, als Pädagogin und als jemand, die diesbezüglich thematisch arbeitet. Wie also dem siebenjährigen Kind erklären, was Schutzräume (z.B. für Mädchen und Frauen) sind und warum es sie braucht? Wie beschreiben, dass es einen Unterschied zwischen Segregation und Separation gibt? - Sie werden jetzt denken: übertreibt sie es nicht. Das Kind ist erst sieben. Stimmt, er ist noch sieben. Und wird irgendwann 17 oder 27 oder 57 sein...
Erklärungen, die ihm den Ausschluss kindgerecht verständlich machen, braucht es jedoch jetzt schon. Ebenso, wie es weiterhin und immer noch diese Räume und Orte braucht, an denen Frauen und Mädchen unter sich sein können. Um sich zu unterstützen, zurück zu ziehen - um sich zu empowern!

In diesem Sinne bewunderte ich die Mädchen für ihre Standhaftigkeit, mit der sie darauf beharrten, wirklich keinen Penis in das Zimmer zu lassen. Und ich war stolz darauf, miterleben zu können, wie sich eine junge Generation selbstbewusster Mädchen Stück für Stück behauptete.

Für die Jungen mag das in diesem Moment ungerecht gewesen sein. Ich bin auch noch am Suchen und Überlegen, wie solche Situationen durch uns Erwachsene besser begleitet werden können. Denn Ausschluss und Ausgrenzung sind Erfahrungen, die tendenziell Lernprozesse eher behindern, statt fördern. Und dennoch will ich an dieser Stelle mich und alle Frauen und Mädchen darin bestärken, weiterhin mit Stolz auf das zu Blicken, wer wir sind und was wir können. Um es mit den Worten der beiden Neunjährigen zu sagen: Danke (für das Verständnis)!



Zum Nach- und Weiterlesen:
  • Böckmann, Lukas | Mecklenbrauck, Annika (2013): The Mamas and the Papas: Reproduktion, Pop und widerspenstige Verhältnisse. (siehe: amazon )
  • Korbik, Julia (2014): Stand Up! Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene. (siehe: amazon )


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