Samstag, 13. Juni 2015

"Wege der Beteiligung" - Inklusionsprojekt in der Uckermark

Was geht in Schwedt? - Pädagoginnen entwickeln inklusive Praxis



Ein Inklusionsprojekt in der Uckermark. „In der… wo?“ werden Sie mich vielleicht fragen. - In der UCKERMARK, einem wunderbar schönen und zauberhaft anmutenden Landstrich im Osten Brandenburgs mit vielen Wiesen, Rapsfeldern und Kiefernwäldchen. Klingt das alles für Sie nach Sommerurlaub und Fahrradtour? Ist dort auch möglich. Glauben Sie mir. Oder fragen Sie mal die dort Wohnenden und Tourist*innen. Ist wunderschön in der Uckermark. Ehrlich.

Ist aber nicht der Grund meiner regelmäßigen Ausflüge dorthin. Dreimal war ich dieses Jahr schon in Schwedt, einer der größten Städte im Landkreis. Schwedt/Oder - kennen Sie bestimmt. Hin und wieder medial besprochen - leider immer nicht besonders positiv. 
Dreimal also Uckermark. Immer beruflich. Immer freiberuflich. 
Und immer im Auftrag der Bürgerstiftung Barnim Uckermark.  Ich gestehe: Anfangs war ich skeptisch. Die Themen, die ich im Gepäck hatte - Inklusion durch Partizipation - stoßen nicht bei allen pädagogischen Fachkräften auf Gegenliebe. Zu groß sind die Sorgen um Rahmenbedingungen und Personalschlüssel. Sorgen um besondere Bedürfnisse von Kindern und Familien. Sorgen um das Erfüllen der gestiegenen Erwartungen an pädagogische Fachkräfte.
Zugegeben: Ich war also etwas voreingenommen. Etwas? - Ja gut, ich war ein bisschen voreingenommener. Und musste mich, wie so oft, eines Besseren belehren lassen. Denn was mich erwartete, waren sehr (mit Ausrufezeichen) motivierte und wissbegierige Pädagoginnen, die mich mit Fragen löcherten, die Lust hatten ihre eigene Praxis zu reflektieren, zu analysieren und weiterzuentwickeln. Fachkräfte, denen zwar die Anstrengungen und Mühen des Alltags in ihren Geschichten anzuhören waren. Die jedoch auch mit Engagement und Ideenreichtum ihren Alltag bestritten und den Kindern eine Extrawurst einräumten, die sie wirklich dringend benötigten. Erleichtert und erwartungsfroh fuhr ich im April zur damals 2. Entwicklungswerkstatt und wieder wurde ich überrascht. Die Kolleginnen aus den Horten und dem Jugendclub hatten dieses Mal großen Veränderungswillen dabei. Ich nenne das in meiner Arbeit auch gern die „MacGyver-Handlungsstrategie“: aus einer Büroklammer, einem Kaugummi und drei Fusseln einen Stau sprengen wollen und können. Machen wir uns nichts vor: so ähnlich schlecht ausgestattet wie MacGyvers Spionage-Agenten-Tasche sind nunmal auch aktuell die Bildungseinrichtungen. Sei es nun die Quantität des Personals, die Räumlichkeiten oder auch die Materialien: Pädagogische Fachkräfte haben grad wenig Freude an den sie umgebenden Rahmenbedingungen. Und nichts desto trotz saßen diese 14 Frauen auch im Juni zum dritten Mal mit mir zusammen. Wieder fröhlich, wieder engagiert und wieder neugierig und mutig auf das, was ich in meinem Koffer hatte. 

Ach, Sie fragen Sich, was eigentlich die Inhalte der Entwicklungswerkstätten waren? Um’s kurz zu machen: wir haben gemeinsam be- und erarbeitet, welche Wege der Beteiligung es in den Kitas, Horten und im Jugendclub braucht, damit möglichst alle Kinder und Familien nicht nur dabei sind, sondern auch auch wirklich mitmachen können und wollen. Denn wie wiesen uns Kreuzer und Ytterhus* darauf hin: Dabeisein ist (eben) nicht alles. Auseinandersetzungen mit Inklusion, mit Partizipation, mit Kinderrechten und Adultismus waren ebenso Gegenstand der Diskussionen, wie auch die Erarbeitung eines eigenen Praxisvorhabens und die gemeinsame Auswertung dessen.

Und nun?
Schluss aus Ende? - Wer weiß. 
Fakt ist jedoch: auch die dritte Entwicklungswerkstatt ist bearbeitet und dokumentiert. Und die dritte war nun auch die letzte Werkstatt des Projekts. Vorerst. Schokolade wurde zum Abschluss ausgetauscht, Dankesworte und Abschiedsbekundungen gesagt und immer wieder von den Teilnehmerinnen geäußert: wir wollen weitermachen. Will ich auch. 

Ich will aber noch eines: Ich möchte Danke sagen für die überaus überraschende Zusammenarbeit, für die Offenheit, das Vertrauen und auch für den Spaß, den wir beim gemeinsamen Arbeiten und den Diskussionen hatten! 
Und es gibt doch das Sprichwort: man trifft sich immer zweimal im Leben. Ich hoffe, dass wir uns ein viertes Mal treffen. 



Anmerkungen:
* Kreuzer/Ytterhus (2008): Dabeisein ist nicht alles: Inklusion und Zusammenleben im Kindergarten. (siehe: amazon | online Buchhandlung Almut Schmidt)



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